E1 Tessin, Norditalien

2 Jahre 2 Monate her #324 von Rainer Minnerop
Hi.

Ich bin gerade unterwegs auf dem E1 von Hamburg nach Genua. Im Moment kurz vor der Höhe von Mailand. Ich möchte mal den Weg der letzten Zeit beschreiben, jetzt wo die Eindrücke noch so frisch sind. Leider wird das kein positiver Beitrag.

Ich fange mit dem St. Gotthard an. Bis dahin ist der Weg steil, schwer und anspruchsvoll. Auch wunderschön. Immer hatte ich das Gefühl, diese Wege sind sicher.
Hinter dem San Gottardo beginnt das Tessin. Das ist der italinische Teil der Schweiz. Hier wird schon italienisch gesprochen, das ist schon ein Stück Italien. Das Tessin hat seinen Namen vom Fluss Ticino. Dieser entspringt hier, und mündet später in Italien in den Po. Der E1 ist immer in seiner Nähe.Der Abstieg vom Gottardo ist schon speziell. Viel "off grit". Dann kommt man Airolo. Hier beginnt die wundervolle Strada Alta. Eine gute Woche Weg mit tollen Aussichten der Extraklasse. Zumindest war das mal so.
Die Wege sind nochmal steiler und die Anstiege länger. Meine App zeigt lange Strecken mit Steigungen von 20 bis 35%. Das ist supersteil. Die Wege sind leider völlig zerstört. Sie sind bei Regen die Bäche, die das Wasser ins Tal führen. Das hat sie völlig ausgewaschen und zerstört. In den Rinnen liegen die ehemaligen Schottersteine als Geröll. Dazwischen alte Felsplatten, umgekippt. Sie müssen mühselig überklettert werden. Bilder habe ich in meinem Blog wandern.minnerop.de dazu reichlich veröffentlicht. Jetzt steigst du supersteile Wege auf Geröll und rutschigen und wackeligen Felsplatten rauf und runter. Eigentlich das dümmste was man tun kanm, denn das ist streckenweise richtig gefährlich!

Dann kommen Wege, die sind so breit, wie ein Din A4 Blatt lang. Sie laufen an Steilhängen als Sims. Eigentlich sehr schön. Da aber auch sie seit vielen Jahren nicht mehr gewartet werden, sind sie bald vom Regen weggespült. An diesen Steilhängen läuft niemand ohne einen befestigten Weg. Manchmal liegen auch Bäume über diesen Wegen. Du kletterst dann auf dem DinA4-Weg über und unter dem Bäumen her, neben dir einige hundert Meter Abgrund. Martina, die ein paar Tage vor uns wanderte schrieb dazu völlig entnervt auf bayrisch in ihrem Blog: mir hoats g'langt. Und sie hat völlig recht!

Mein Fazit zu diesem Stück des E1: hier sollte man nur noch bei schönem Wetter gehen, und möglichst nicht allein. Das ist richtig gefährlich. In ein oder zwei Jahren wird es Teile des Weges nicht mehr geben. Die Menschen vor Ort sagen dazu, das keine Gelder da sind um den Zustand zu beheben, und der lokale Wanderbetrieb bereits massiv eingebrochen ist. Das will sich einfach keiner mehr antun.

Es geht dann immer so in diesem Stil weiter nach Italien. Ich will das nicht im Einzelnen alles bejammern. Die Wege werden dort auf den ersten Etappen eher noch schlechter. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, ich wäre in Airolo in den Zug gestiegen und nis Italien gefahren.

Was hätte mich da erwartet, außer leckerer Pasta und Pizza? Zuerst auch wieder die zerstörten Wege. Jetzt werden sie flacher, dafür sind sie mit Dornen total überwuchert, oder sind einfach von einem Steinbruch weggesprengt, wie gestern. Die letzen zwei Etappen sind deswegen eigentlich als unpassierbar zu beschreiben, habe das in der Etappenbeschreibung I 1.03 Gaviarte-Sesto Calende und in meinem Blog beschrieben.

Warum schreibe ich das alles? Das soll kein Gejammer oder Gemecker sein. Ich würde nur gerne meinen Traum verwirklichen, den E1 bis Sizilien zu gehen. Da aber die Berichte über den weiter südlich laufenden Weg nicht besser sind als dieser hier, liegt mein Traum im Moment im Sterben. Und eben nicht nur meiner! Denn diese Wege werden bald auch für euch nicht mehr begehbar sein. Dann ist nicht nur mein Traum gestorben, sondern der E1 in Italien.

Was kann man, ich, du tun? Kann man, ich, du die Italiener ansprechen, die für diese Wege zuständig sind? Hier haben ja auch viele Pensionen von den Wanderern gelebt, und die kommen jetzt schon kaum noch.

Soweit mal mein Bericht als Diskussionsanstoß...... LG Rainer

Liebe Grüße .... Rainer

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2 Jahre 2 Monate her #327 von Sven Lewerentz
Hallo Rainer,

vielen Dank für Dein Feedback. Ich denke schon, dass es sinnvoll ist die betreuenden Wandervereine auf regionaler und Nationaler Ebene auf den Zustand der Wege hinzuweisen und entsprechend anzuschreiben. Auch der europäische Wanderverband könnte darüber informiert werden.

Zumindest in der Schweiz wundert es mich ein wenig, dass der Weg in so schlechtem Zustand ist. Meine Mutter ist die Strada Alta vor ca. 10 Jahren gelaufen und hat sehr davon geschwärmt. Aber ohne konstante Pflege sind die Bergwege natürlich schnell zerstört. Auch ist das ja eigentlich eine Wanderland-Route (Trans Swiss Trail 2) und die Wege in der Schweiz, die ich kenne waren eher in gutem Zustand. Diesbezüglich also mal die schweizer Wanderwege anzuschreiben, halte ich für eine gute Idee.

In Italien ist so weit ich weiß an einigen Stellen Improvisation von Nöten. Ich habe schon seit längerem auf dem Zettel die betreuenden Vereine im Norden anzuschreiben, da der markierte Weg inzwischen wohl stellenweise vom GPS-Track abweicht, habe es bisher aber einfach zeitlich nicht geschafft. Da wäre es z.B. sehr hilfreich, wenn Du zu den betreffenden Etappen Kommentare abgeben (oder wie bei der einen Etappe ja schon von Dir gemacht) einen entsprechenden Texthinweis einpflegen könntest.
Um den von Dir beschriebenen Steinbruch gibt es wohl auch einen gut markierten neuen Weg, schau mal in die Kommentare. Ich warte derzeit noch auf Feedback von Lena und Thilo, die diesen Weg wohl aufgezeichnet haben.

Soweit erstmal. Liebe Grüße aus Hamburg

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2 Monate 2 Wochen her #449 von Robert Kull
Salü zusammen
wir sind gerade zurück vom E1 zwischen Brunnen und Bellinzona (25.7. - 1.8.20). es war wunderbar, z.T. anstregend, z.T heiss, z.T gewittrig jedoch einfach toll! nächste Abschnitte warten bereits!
Ab Airolo sind wir der Strada alta gefolgt (dem Verlauf des E1 entspricht hier gleichzeitig dem SwissTrail2 bzw. der Strada alta). Der Weg ist durchgehend WeissRotWeiss als Bergwanderweg ( www.wandern.ch/de/signalisation/bergwanderweg ) gekennzeichnet, was bedeutet, dass es z.T. eher anstrengende Wege im alpinen Raum sind, die z.T. eine gwisse Tritt- und Höhensicherheit bedingen.
Bei uns haben sich die Wege in typisch schweizerischem, gutem Zustand gezeigt, anstrengend zwar, jedoch dort wo nötig entsprechend gesichert. Für mich, der nicht schwindelfrei bin, hatte es 2 herausfordernde Stellen, welche jedoch nur kurz dauerten (die eine nach Sobrio im Vallone, die andere auf dem Abstieg nach Pollegio) und auch gesichert waren und ich "mit starrem Blick" überwinden konnte.
Darum habe ich für den schweizer Teil des E1 keine Bedenken, dass der Weg einmal nicht mehr passierbar sein wird - dafür haben wir genügend Helfer, die sich jedes jahr dem Unterhalt der Wanderweg widmen.
Aber schade für die italienischen Abschnitte, die noch auf uns warten!
Liebe grüsse Robert

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